1.Könige 9,25 Für oder mit

So, damit ist jetzt dem Gesetz Genüge getan.

Dreimal jährlich bringt Salomo die vorgeschriebenen Opfer dar. So soll es sein. Mehr wird nicht verlangt.

Von David erzählen die Psalmen noch, dass er sich öfter mit Gott traf. Die beiden hatten wohl was miteinander.

Aber Salomo hat jetzt den Tempel gebaut, extra für Gott, und mit einer großartigen Inszenierung eingeweiht – ja, und da steht er jetzt, der Tempel.

Und nun?

Was fängt man nun mit Gott an?

Im Kapitel 3 hat Salomo noch Muffensausen, ob er das mit dem Königsein so ohne weiteres hinbekommt. Da hat er Gott noch wöchentlich gebraucht.

Aber mittlerweile hat Salomo Übung im Regieren, er hat Gefallen gefunden am Planen und Bauen, und auf dem diplomatischen Parkett kann er sich auch bewegen.

Große Dinge in Gang bringen, Projekte entwerfen, mit seiner Macht etwas anfangen, das war Salomo sein Ding.

Gott brauchte er dafür eigentlich nicht mehr, denn er hatte ja schon Gottes Gaben: Weisheit, Reichtum, Macht.

Tja, und was macht man dann mit Gott? Man erfüllt halt seine Pflicht. Und man sorgt dafür, dass der Tempel auch seinen Sinn und Zweck erfüllt, denn sonst ist der Tempel unsinnig. Und Sinn und Zweck des Tempels ist doch, dass der Ritus ordnungsgemäß durchgeführt wird, oder nicht?

Nein.

Sinn und Zweck des Tempels war, dass Gott mitten in seinem Volk leben kann und Kontakt mit seinen Menschen haben kann. „Gemeinschaft“ heißt das im Fachjargon. „Miteinander“ ist gemeint.

Weihnachten mit Gott, das kann jeder.

Alltag mit Gott, das ist Kunst.

Und in der vorigen Zeile stand „mit“, nicht „für“. Haben Sie es registriert?

Salomo konnte „für“. Mit „mit“ konnte er nichts anfangen.

Für Gott einen Tempel bauen – kein Problem.

Aber wenn man mit „für“ fertig ist, was dann?