Lukas 17, 26-30 – tot, alle tot
Rumms!
Das Gericht am jüngsten Tag!
Alle Sünder tot.
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Nein, steht da nicht.
Wird da aber mit Vorliebe reingelesen.
Hat Jesus auch nicht gesagt.
Hätte man aber gerne, dass er das gesagt hätte. Wäre halt einfacher.
Was da tatsächlich steht
Jesus beschreibt hier ein Prinzip, das während der Tage des Sohnes des Menschen gelten wird.
Ja, die Tage sind im Plural.
Das sind mehrere. Vielleicht sind es sogar viele. Die Anzahl steht da nicht.
Damit ist es aber nicht der Jüngste Tag.
Es kann auch nicht sein, dass es der Jüngste Tag ist, aber der dauert eine Woche.
Denn das Prinzip, das an diesen Tagen gelten soll, lautet: Niemand rechnet damit, keiner ist vorbereitet, kein Schwein hat die Zeichen richtig gedeutet. Und dann passieren diese Tage.
Wenn es sich aber um die Jüngste Woche handeln würde, dann könnte man das vielleicht über den ersten Tag dieser Woche sagen. Da kann man noch überrascht sein. Aber wenn das am nächsten Tag im gleichen Stil weiter geht, dann ist der Überraschungseffekt vorbei.
Keine sündigen Sünder
In den Beispielen von Noah und Sodom kommen auch keine dreckigen Sünder vor. Obwohl der Grund für die Ereignisse in Sodom und im Heimatland der Arche tatsächlich unerträgliche Sünden waren.
Nur kramt Jesus hier gar nicht die Verwerflichkeit der ungeretteten Menschen hervor.
Sondern er sagt: Lukas 17,26–30
26Und wie es in den Tagen Noahs geschah, so wird es auch sein in den Tagen des Sohnes des Menschen:
27Sie aßen, sie tranken, sie heirateten, sie wurden verheiratet bis zu dem Tag, da Noah in die Arche ging und die Flut kam und alle umbrachte.
28Ebenso auch, wie es geschah in den Tagen Lots: Sie aßen, sie tranken, sie kauften, sie verkauften, sie pflanzten, sie bauten;
29an dem Tag aber, da Lot von Sodom hinausging, regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel und brachte alle um.
30Ebenso wird es an dem Tag sein, da der Sohn des Menschen offenbart wird.
Von den Menschen zur Zeit Noahs wird nicht gesagt: Sie raubten, sie mordeten, sie brachen die Ehe, sie logen und betrogen. Und dann wurden sie alle umgebracht.
Der Vergleichspunkt ist nicht: So wie damals alle Sünder ihre gerechte Strafe bekamen, so wird es auch in den Tagen des Menschensohnes sein.
Der Vergleichspunkt ist die Ahnungslosigkeit, nicht die Schlechtigkeit.
Die Leute, von denen Jesus hier erzählt, haben sich bei Noah nur ernährt und geheiratet, und bei Lot hatten sie schon ein höheres zivilisatorisches Niveau, denn da trieben sie auch Handel, errichteten Gebäude und betrieben Landwirtschaft. Der Vergleichspunkt hier ist das Normale, nicht das Böse.
Es geht hier nicht darum, dass alle Sünder umgebracht werden. Das werden sie zwar in den Geschichten von Noah und Lot, aber sie sterben überraschend, weshalb Jesus es hier auch erwähnt.
In dieser Rede von Jesus, so wie Lukas sie hier hat, geht es gar nicht um das Ende der Sünder.
Sondern es geht um die Überraschung.
Der Sinn der Rede
Die ganze Rede von Jesus, die Lukas hier ab Vers 20 erzählt, geht darüber, wie die Jünger sich den Tagen des Menschensohnes gegenüber verhalten sollen.
Wenn der Messias sichtbar wird – vielleicht ganz anders, als wie Sie das jetzt glauben wollen – dann sollte man dafür sorgen, dass man ihn auch sieht.
Diese Ansprache von Jesus (ab Vers 20 bis Vers 37) zählt alle die Fehler auf, die man machen kann, so dass der Herr des Himmels sich zwar einem Menschen offenbaren will, aber es klappt entweder überhaupt nicht, oder es geht sogar nach hinten los.
Die Zielgruppe der Rede
Die Zielgruppe der Rede sind nicht die Sünder. Über die an den bestimmten Tagen das Gericht ergeht oder irgend so etwas.
Die Zielgruppe sind die Apostel.
Und diese Rede Jesu ist nicht eine Informationsveranstaltung für die Apostel, um sie über das infernalische Schicksal der Sünder zu informieren, auf dass sie sich gruseln mögen.
Sondern der ganze Abschnitt geht darüber, wie man das Reich Gottes erkennt und wie man sich verhält, wenn der Christus sich offenbart.
Die Offenbarung des Christus
Nun mal unter uns:
Wenn der Jüngste Tag das erste Mal ist, dass sich der Christus Ihnen offenbart, dann vergessen Sie es einfach.
Wenn Sie bis zu diesem Datum den Christus nicht das eine oder andere Mal so erkannt haben, wie Ungläubige ihn nicht erkennen können, dann werden Sie am Jüngsten Tag keine Freude haben.
Das gilt auch, wenn Sie von 50 Jahren Bibellesen ruinierte Augen haben:
Dann haben Sie vielleicht 50 Jahre lang recht gehabt. Aber dafür gibt es nichts.
Wenn der Christus sich Ihnen nicht dann und wann mal offenbart hat, sind Sie verloren.
Wenn Sie Gott nicht gesehen oder gehört oder gespürt oder sonstwie erlebt haben, dann wird die weltweite allgemeine Offenbarung des Christus für Sie eine Katastrophe sein.
Wenn Sie den Christus erst dann sehen können, wenn auch Herr Putin ihn sehen muss, dann dürfen Sie sich auf irgendetwas mit Heulen und Zähneknirschen und Würmern gefasst machen.
Womit Sie heute rechnen sollten
Sie sollten damit rechnen, dass Gott sich Ihnen heute offenbart.
Offenbarung ist nämlich die einzige brauchbare Art der Gotteserkenntnis.
Sie können Gott nicht von sich aus erkennen, und Sie können Gottes Absichten nicht aus Ihrem Verstand heraus analysieren.
Ohne Offenbarung keine Gotteserkenntnis.
Und wenn Sie nun auf den Jüngsten Tag warten und also davon ausgehen, dass heute nicht der Tag des Menschensohnes ist, denn es hat noch nicht posaunt, und die Entrückung war auch noch nicht (Sie sind ja offenbar noch da) – dann sind Sie wie die Leute von Sodom, die auch nicht damit rechneten, dass Gott an diesem Tag irgendwie handeln würde.
Und Sie sind dann wie die Noahs Nachbarn, die dachten, der Regen habe nichts mit Ihnen zu tun.
Oder Sie sind wie die Pharisäer von Vers 20, die fragten, wann das Reich Gottes kommt. Dabei war es längst da. Mitten unter ihnen.
Des Schriftstellers Absicht
Lukas hat diese Rede von Jesus aufgeschrieben, damit Sie nicht auf die Idee kommen, heute sei ein ungeeigneter Tag für eine Offenbarung Gottes.
Denn Gott kommt immer unerwartet.
In Vers 22 steht: Wenn Sie Gott erwarten – und wenn es dringend ist, dass Gott endlich auftaucht – dann genau nicht. Wenn Sie begehren werden, einen der Tage des Menschensohnes zu sehen, dann wird es nichts zu sehen geben.
Und die Beispiele von Lot und Noah sagen: Rechnen Sie täglich mit einer Offenbarung Gottes.
Dass Sie den Jüngsten Tag verpassen, ist unwahrscheinlich. Den werden Sie merken, wie jeder den merken wird.
Aber dass Sie die anderen Tage des Menschensohnes verpassen, das ist möglich.
Lukas wollte es verhindern.