Lukas 17,24 – das Blitzen des Blitzes
Warten Sie lieber nicht drauf.
Dass es blitzt.
Auch wenn da steht: Lukas 17,24
24Denn wie der Blitz blitzend leuchtet von einem Ende unter dem Himmel bis zum anderen Ende unter dem Himmel, so wird der Sohn des Menschen sein an seinem Tag.
Da steht nämlich nicht, dass es am Tag des Sohnes des Menschen blitzen wird.
Dieser Vers 24 ist keine Aussage über den Jüngsten Tag, sondern Teil einer Rede an die Jünger, in welcher erklärt wird, wann und wo und wie das Reich Gottes erscheint.
Der Zusammenhang ist, dass die Jünger weder nach Altötting noch nach Lourdes pilgern sollen, um der Erscheinung des Menschensohnes teilhaftig zu werden.
Auch nicht nach Jerusalem oder zum Horeb. Lukas 17,22–23
22Er sprach aber zu den Jüngern: Es werden Tage kommen, da ihr begehren werdet, einen der Tage des Sohnes des Menschen zu sehen, und ihr werdet ihn nicht sehen.
23Und man wird zu euch sagen: Siehe dort!, oder: Siehe hier! Geht nicht hin, folgt auch nicht!
Die Eindeutigkeit
Es geht in diesem Abschnitt gar nicht um die Frage, wie der Jüngste Tag sein wird.
Sondern es geht um die Frage, wie die Apostel das Reich Gottes sehen können.
Denn die Pharisäer konnten es nicht sehen. Wie man in Vers 20 sieht. Und Jesus sagt ihnen auch: Man kann das Kommen des Reiches Gottes eigentlich nicht beobachten.
Vergessen Sie also den Blitz.
Den wird es für die Pharisäer nicht geben, und für Sie auch nicht.
Aber wenn die Pharisäer das Kommen des Reiches Gottes nicht sehen konnten, dann stellte sich für die Apostel die Frage: Wie sollen sie das dann sehen?
Und die Antwort von Jesus ist: Ihr werdet es sehen.
Völlig eindeutig.
So eindeutig, wie man einen Blitz sieht.
Ihr müsst auch nirgendwo hingehen. Denn einen Blitz sieht man überall. Also werdet ihr den Tag des Menschensohnes merken. Egal, wo ihr seid.
Wenn der Tag nicht der Tag ist
So wie die ähnliche Rede bei Matthäus nicht klar und eindeutig ist, weil dort offenbar die Zerstörung Jerusalems und der Jüngste Tag in (für uns) unzutreffender Weise zusammengefasst werden, so hat auch Lukas nicht so recht gewusst, worüber er hier eigentlich schreibt. Lukas hat die Rede Jesu wiedergegeben, so gut er eben konnte, und er wusste (aus den Berichten der direkten Zeugen), dass Jesus in diesem Zusammenhang von seinem Kommen gesprochen hatte, also vom „Tag des Sohnes des Menschen“.
Lukas ist aber vorsichtig genug, den Tag, an dem Jesus kommt oder das Reich Gottes sich offenbart, nicht mit dem letzten Tag der Weltgeschichte gleichzusetzen.
Sondern er rechnet eher mit der Möglichkeit, dass das, was in Emmaus geschah, eine solche Offenbarung des Menschensohnes war.
Oder das mit Petrus und den fischenden Jüngern am See nach der Auferstehung.
Oder die Erscheinung des Heiligen Geistes an Pfingsten, oder die Anrede des Paulus vor Damaskus.
Oder dieses Tuch mit den Leckereien, das Gott für Petrus vom Himmel heruntergelassen hat.
Oder als Sie bemerkt haben, dass Gott da ist.
Das aktuelle Problem
Wir haben (allerdings nicht neuerdings) in den Gemeinden das Problem, dass es eine Unmenge Christen gibt, die niemals etwas von Gott gesehen oder gehört haben.
Die haben viele Predigten gehört und immer schön ihr Andachtsbuch gelesen und manche sogar ihre Bibel, aber mit Gott selbst hatten sie keinen Kontakt.
Und weil sie verständlicherweise eine gewisse Sehnsucht nach Gott haben, darum fahren sie nach Lourdes oder Jerusalem oder zu den Gottesdiensten von ICF München oder der einzig wirklichen Vineyard-Gemeinde oder zu der Konferenz, wo dieser eine Prediger spricht.
Oder sie versuchen es mit speziellen Gottesdienstformen, von speziellem Lobpreis über sakralen Tanz bis zu Meditationsformen. (Neuerdings wandert man und nennt es „pilgern“.)
Alles in der Hoffnung, einen Tag des Menschensohnes zu erleben. Also Gott zu begegnen. Eine Offenbarung zu haben.
Jesus sagt hier: Ihr müsst nirgendwo hinfahren und nicht in irgendwelchen Andachtsformen graben, um ganz unten dann einen Tag des Menschensohnes zu entdecken.
Wenn Gott euch erscheint, ist der Aufenthaltsort egal, und es wird so sein, dass die Erscheinung Gottes unzweifelhaft als solche zu erkennen sein wird.
Petrus musste am See nicht fragen, wer das ist. Und die Emmausjünger hatten keine Zweifel. Paulus hat auf dem Schiff nicht fragen müssen, wer denn da mit ihm redet.
Gottes Stimme ist einzigartig, und Gottes Erscheinen ist mit nichts anderem zu vergleichen.
Sie werden es mitkriegen. Wie den Blitz.
Was Herr Putin nicht sieht
Es geht in diesem Abschnitt nicht darum, ob Herr Putin den Blitz sieht oder das Kommen des Menschensohnes erkennt. Selbst wenn es blitzt und die Sonne sich verfinstert und die Sterne vom Himmel fallen, werden Menschen wie der russische Präsident ja nicht verstehen, dass das jetzt der Sohn Gottes ist. Wenn es dumm kommt, wissen diese Leute gar nicht, dass es einen Sohn Gottes gibt.
Die Jünger hatten zum Zeitpunkt dieser Rede Jesus noch als Person vor sich. Sie erkannten ihn, zumindest bei Licht.
Die Frage hier war: Wenn die Pharisäer das Reich Gottes nicht sehen können – wie sollen wir es denn erkennen?
Die Antwort war: Keine Sorge. Für euch wird es unübersehbar sein.
Aber die Pharisäer werden von all dem nichts mitbekommen.
Wer nicht will, für den blitzt es nicht.