Lukas 17,1-2 – Training für die Halsmuskulatur

Lukas 17,1–2

1Er sprach aber zu seinen Jüngern: Es ist unmöglich, dass keine Anstöße zur Sünde kommen. Wehe aber dem, durch den sie kommen!

2Es wäre ihm nützlicher, wenn ein Mühlstein um seinen Hals gelegt und er ins Meer geworfen würde, als dass er eines dieser Kleinen zu Fall brächte!

Natürlich.

So groß, wie Sie denken, dachten Sie, hier sind Christen gemeint, die anderen Christen sagen, Schwarzfahren sei nicht so schlimm.

Oder in der Firma einen Bleistift mitgehen lassen.

Oder dass man andere Christen zum Zorn reizt, und dann sündigen die, weil sie zornig sind.

Der Zusammenhang

Lukas war hier schriftstellerisch tätig. Er schreibt in einem Zusammenhang.

Und die Kapiteleinteilung ist nicht von Lukas.

Dass also nach dem armen Lazarus eine solche Unterbrechung eingefügt wurde, war nicht Lukas seine Idee. Der war nämlich immer noch beim gleichen Thema.

Seit Kapitel 16 Vers 14 redete Jesus auch zu den Pharisäern.

Und die Geschichte vom armen Lazarus, in der es darum geht, dass die Bibel (das Gesetz und die Propheten) immer noch maßgebend sind für die Beziehung zu Gott, diese Geschichte richtete sich in erster Linie gegen das Verhalten der Pharisäer. Die die Bibel nämlich zu einem lächerlichen, kleinkarierten Gesetzestext gemacht hatten, der eines großen Gottes völlig unwürdig war.

Die Sünde

Somit sind mit denen, denen der Mühlstein empfohlen wird, zur damaligen Zeit die Pharisäer und Schriftgelehrten gemeint.

Und heute diejenigen, die das Gleiche machen, nur in anderen Farbtönen.

Das Problem der damaligen Zeit war ja nicht, dass die Bevölkerung beim Rewe massenhaft Kaugummis klaute, weil die Pharisäer es erlaubt hatten.

Sondern das Problem war, dass der einfache Mensch mit Gott nicht mehr zurechtkam.

Was die Pharisäer ja ihrerseits genauso sahen: Johannes 7,49  

49Diese Volksmenge aber, die das Gesetz nicht kennt, sie ist verflucht!

Man hatte den einfachen Gläubigen Gott weggenommen und hatte ihn durch eine leistungsabhängige Religion ersetzt.

Der sozial schwache Mensch konnte gar nicht mehr einfach so auf Gott vertrauen oder ihn lieben. (Wie es z.B. David getan hatte.) Weil er ja die Leistungen gar nicht alle erbringen konnte.

Parallelen

Paulus hat etwas ähnliches bezüglich des Götzenopfers in 1.Korinther 8. Auch dort geht es nicht darum, dass irgendwelche kleinlichen Regeln verletzt werden.

Sondern es geht um Menschen, welche die Macht der Götzen und Dämonen im eigenen Leben erlebt haben und denen jetzt aus Erfahrung mit aller Kraft aus dem Weg gehen.

Und die ihre Abwendung von den Götzen und Dämonen für einen wichtigen Schritt in ihrem Leben halten.

Und dann kommt jemand, der zwischen Gott und Dämonen eigentlich nicht trennt, sondern das Götzenopferfleisch isst, weil er die Dämonen und Götzen aufgrund von Christi Sieg gar nicht ernst nimmt.

Das ist zwar sachlich richtig, erweckt aber bei dem Anderen den Eindruck, dass der Unterschied zwischen Gott und den Götzen gar nicht so groß sei und man darum die Bekehrung von den Götzen nicht wirklich ernst zu nehmen braucht und keinesfalls so konsequent umsetzen muss, wie der Neubekehrte das eigentlich dachte.

Und zack, sitzt dieser wieder im Götzentempel und hat eine Statue neben der Haustürschwelle und setzt seine Hoffnung gleichzeitig auf Gott und auf die Götzen, die ja so schlimm offenbar gar nicht sind.

Damit entsteht aber für den Schwachen ein völlig falsches Gottesbild.

Um etwas ähnliches geht es Paulus auch im Galaterbrief, wo er schreibt Galater 1,9  

9Wie wir früher gesagt haben, so sage ich auch jetzt wieder: Wenn jemand euch etwas als Evangelium verkündigt entgegen dem, was ihr empfangen habt: Er sei verflucht!

Wer dem Schwachen (oder den „Kleinen“, wie Lukas sie nennt) ein falsches Gottesbild vermittelt, dem sei der Mühlstein empfohlen.

Was sich nicht empfiehlt

Noch einmal: Es geht nicht darum, dass Sie einen leichtgläubigen Menschen dazu verführen, Brokkoli auf dem Wochenmarkt zu klauen.

Es geht darum, dass Sie den vielleicht naiven Menschen dazu bringen, Gott nicht mehr ernst zu nehmen.

Denn die schwere Sünde ist nicht geklauter Brokkoli.

Die schwere Sünde ist mangelndes Vertrauen zu Gott. Kleinglaube, das kommt schlecht.

Wenn Sie also jemandem erzählen, die Bibel sei gar nicht so richtig echt, weil irgendwelche Theologen irgendwelche Quellen mit irgendwas verglichen haben und zu dem Ergebnis gekommen sind ...

Wenn Sie so leben, dass die Zuschauer auf die Idee kommen, Barmherzigkeit sei für Gott nicht wichtig, und auf Prophetie brauche man gar nicht zu warten. Und dann erwartet der Gläubige kein Wort von Gott, und Barmherzigkeit von Gott erwartet er auch nicht und wird deshalb selbst unbarmherzig, weil er eigenständig sehen muss, wo er bleibt. Dann gehen Sie schleunigst zu Kieser oder in sonst ein Gym und trainieren Sie Ihre Halsmuskulatur.

Sie werden es brauchen.

Denn Gott verträgt geklaute Kugelschreiber.

Aber wenn man jemandem das Vertrauen zu Gott nimmt, das verträgt er nicht.

P.S.

Was Gott mit dem „Kleinen“ macht, der dann sündigt, sagt Jesus an dieser Stelle nicht. Die Verantwortung wird hier denen angehängt, die denken, sie hätten keine.