1.Korinther 5, 12+13 - pakistanische Gesetze

Sie brauchen gar nicht den Kopf zu schütteln.

Es steht eindeutig geschrieben: "Du sollst nicht töten." Wobei eigentlich "morden" gemeint ist, denn das Töten im Krieg oder durch Todesstrafe war im Alten Testament sehr wohl erlaubt.

Aber so ein ungeborenes Baby, also ein Fötus, der ist ja nicht im Krieg und hat auch nichts angestellt, für das man die Todesstrafe bekommen kann.

Also fällt Abtreibung unter das Gebot "du sollst nicht töten".

Und darum greifen christliche Abtreibungsgegner Abtreibungskliniken und ihre Mitarbeiter an.

Die Sache an sich

Nun geht es hier nicht darum, ob Abtreibung irgendwie legitim sein kann.

Ich selbst fände es grenzwertig und gruselig, wenn mein Kind abgetrieben würde, oder wenn ich als Arzt so etwas machen sollte.

Für mich persönlich bin ich dagegen.

Wobei ich aber während meiner Arbeit für die Telefonseelsorge eine Reihe von Frauen kennengelernt habe, die sich mit dem Gedanken an eine Abtreibung trugen und deren Gründe ich verstehen konnte. Das Leben ist nicht immer so gradlinig und moralisch eindeutig, wie wir das gerne hätten.

Worum es geht

Paulus bemängelt hier am Ende von 1.Korinther 5, dass man die Gesetze eines Landes auf Menschen anwendet, die weder in diesem Land leben noch die Staatsbürgerschaft dieses Landes haben.

Das wäre so, als wenn man Sie, der Sie offenbar in einem deutschsprachigen Land Europas wohnen, dazu verpflichten würde, die Gesetze des Staates Pakistan einzuhalten.

Hier in Deutschland.

(Dass Sie die pakistanischen Gesetze bei einem Aufenthalt in Pakistan einhalten müssen, versteht sich von selbst.)

Sie kämen also hier in Deutschland vor Gericht und würden verurteilt, weil Sie gegen Bestimmungen der pakistanischen Gesetzgebung verstoßen haben.

Oder in der frommen Landschaft:

Man fordert von Menschen, die nicht zum Reich Gottes gehören, dass diese sich an die internen Gesetze des Gottesreiches halten.

Menschen, die keine Himmländer sind, deren Heimat nicht im Himmel ist und die dem Herrscher des Gottesreiches nicht untertan sind, werden trotzdem verurteilt, wenn sie den Gesetze des Himmelreiches nicht gehorchen.

Und Paulus ist dagegen.

Begrenzte Geltung

Nun gibt es natürlich ein paar Wundertüten, die behaupten, die 10 Gebote seien weltweit und ohne Ausnahme gültig.

Puh.

Nun steht in den 10 Geboten (außer im ersten) nichts besonders Frommes drin.

Die 10 Gebote sind Basisgebote, ohne die eine Zivilisation nicht funktionieren kann.

Nichtsdestotrotz wurden die 10 Gebote den Gläubigen gegeben, und im Alten Testament wurde niemals ein Ausländer dafür bestraft, dass er eines der 10 Gebote nicht eingehalten hat.

Es ist in diesem Zusammenhang irrelevant, dass das Morden in den meisten Ländern der Erde gesetzlich verboten ist.

Das hat mit Gott und seinen Geboten nämlich nichts zu tun.

Es wäre einfach sehr unpraktisch, wenn man in einem Land zulassen würde, dass jeder jeden Anderen ohne Konsequenzen umbringen darf.

Darum ist Morden praktisch überall verboten. Weil ein Land, in dem es erlaubt wäre, nicht regierbar wäre.

Zielgruppe

Die Gebote des Alten Testaments wurden denen gegeben, die im Reich Gottes leben.

Nicht den Ägyptern, nicht den Babyloniern. Wenn es nach Gott ging, durften die alle Schweinefleisch essen.

Ebenso gelten auch die Regeln des Neuen Testamentes ausschließlich für die Gläubigen.

Das ist, was Paulus hier sagt: Die Anwendung der christlichen Werte auf unchristliche Menschen ist sachfremd.

Damit ist das Angreifen von Abtreibungskliniken oder ihrer Mitarbeiter durch "christliche" Abtreibungsgegner abzulehnen.

Auch unter dem Aspekt, dass es diesen Leuten angeblich nur darum geht, das unschuldige Leben der Föten zu retten.

Auch noch

Die Abtreibungsgegner sind in unserer Zeit das krasseste Beispiel von Leuten, die ausländische Gesetze auf andere Menschen anwenden wollen.

Aber natürlich kann man auch fragen, ob es die Aufgabe des Papstes ist, die Ungläubigen zu Frieden oder Versöhnung oder ähnlichem aufzurufen. Herr Putin ist nicht Teil des Gottesreiches. Die Bergpredigt gilt für ihn nicht.

Und die christlichen Klimaschützer müssen sich fragen lassen, ob sie tatsächlich von Ungläubigen verlangen können, eine Schöpfung zu bewahren, welche jene gar nicht als Schöpfung betrachten. Sondern als zufällig entstandene Natur.

Sie dürfen sich also überlegen, welche Richtlinien, Werte und Normen Sie auf Ihre heidnischen Mitmenschen anwenden wollen.

Welche nicht, ist klar: Die biblischen.