1.Korinther 6,2+3 – die Engel und die Welt richten
Ziehen Sie bitte Ihre schwarze Robe an und setzen sie diesen adretten Hut auf.
Damit Sie vorbereitet sind.
Wenn es soweit ist.
Dass Sie nicht erst den ganzen Kleiderschrank durchwühlen müssen, wenn Sie die Engel und die Welt richten sollen.
Sie werden (zumindest beisitzender) Richter. Das geht nicht in Jogginghose und Hausschuhen.
Der Mangel an Gewaltenteilung
Nee, war nur Spaß.
Als Paulus dies schrieb, gab es solche Richter, wie wir sie aus unserem demokratischen und pluralistischen System kennen, nicht.
Wir haben Gewaltenteilung. Die Richter sind unabhängig von den Herrschenden. Womit gesagt ist, dass die Herrschenden auch verurteilt werden können.
Bei Paulus war der oberste Richter der Kaiser oder der König (weshalb Paulus sich auch einmal auf den Kaiser als letzte Rechtsinstanz berief).
Alle anderen Richter waren Vertreter des Kaisers. Sie waren an die Anweisungen des Kaisers gebunden. Sie mussten Recht sprechen im Sinne des Kaisers.
Wo Paulus herkommt
Paulus geht davon aus, dass sich unser Verhältnis zum Christus mit dem Ende der Welt nicht ändern wird.
Das, was wir heute durch den Christus haben, werden wir auch in der anderen Welt haben.
Und heute haben wir bereits Anteil an der Herrschaft des Christus.
Ich weiß: Das wollen Sie nicht hören.
Sie wollen demütig dienen und sich Ihrer Sünden schämen und vor dem Herrn gebeuget kriechen.
Die geistliche Waffenrüstung ist für Sie Deko. Sowas benutzt der gute Christ nicht.
Sie würden auch niemals zu einem Berg sagen, er solle sich hinwegheben und mitten im Meer landen. So etwas halten Sie für anmaßend und eines demütigen Christen nicht würdig.
Mag sein.
Jesus hat über seine Jünger allerdings anders geredet, und Paulus, Petrus und Johannes haben das Thema „die Herrschaft der Heiligen“ immer und immer wieder bemüht.
Die eine Person
Grundlage des ganzen Gedankens ist die Idee, dass Sie und Jesus nur noch eine einzige Person sind.
Das ist Resultat von Kreuzigung und Auferstehung. Nein, falsch: Das ist der Sinn von Kreuzigung und Auferstehung.
Eins sein.
Das Johannes-Evangelium hat eine ganze Menge Text zu diesem Thema.
Bei „Gemeinde“ hat man das schonmal irgendwo gehört. Wenn die Gemeinde der Leib Christi ist und Jesus der Kopf von diesem Leib, dann handelt es sich offenbar um eine Person.
Wenn Paulus sagt „nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir“ (Galater 2,20) sagt er das auch über sich selbst.
Auch das Gerede über die „neue Schöpfung“, die Sie angeblich sind, basiert darauf, dass dieser neue Mensch eine Integration des Auferstandenen und Ihnen ist.
Sinn von Kreuzigung und Auferstehung war es, dass Gott Ihnen oder Sie Gott so nahe wie möglich sein können. Und die größtmögliche Nähe ist ineinander.
Keine Reduzierung
Wenn Sie und der Christus eine einzige Person sind, dann wird diese Person nicht etwa auf Ihre Möglichkeiten reduziert. Also dass der Christus, wenn er in Ihren Körper einzieht, einige seiner Eigenschaften und Fähigkeiten aufgibt und sich an Sie anpasst.
Im Gegenteil: Wenn Sie und der Christus eins werden, dann werden Ihre Fähigkeiten und die des Christus zusammengelegt. (Das sollten Sie damals in der Mengenlehre gelernt haben.)
Ja, ich weiß: Sie wollen das nicht. Sie wollen demütig und unterwürfig und ein gerettetes Opfer des Satans sein und ständig in Sündennot.
Glücklicherweise wurden Sie aber bei der Konzeption des Reiches Gottes nicht gefragt.
Darum sollten Sie (als Kombinationsperson von Christus und Ihnen) jetzt den Dämonen gebieten können, weissagen können, Geister unterscheiden, Berge versetzen und den Satan in seine Schranken verweisen.
Ihnen ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden. Weil der, von dem das ursprünglich mal gesagt wurde, jetzt in Ihnen wohnt.
Die Herrschaft
Weil das tatsächlich so gedacht ist, dass der Christus und Sie eine Person werden, darum redet das Neue Testament so oft über die Herrschaft der Heiligen.
Ja, ich weiß: Dienen ist Ihnen lieber. Da hat man nicht so viel Verantwortung, und es kann nicht so viel daneben gehen.
Nichtsdestotrotz ist es so gedacht, dass Sie mit dem Christus herrschen. Und nicht etwa von irgendwas oder irgendwem beherrscht werden.
Freiheit besteht zufällig aus den gleichen Zutaten. In dem Moment, wo Sie nicht herrschen, sind Sie auch nicht frei.
Zu Deutsch: Sie sollen alle Möglichkeiten und Eigenschaften haben, die der Christus auch hat. Das ist das Wesen des Neuen Lebens. Und nur unter diesen Vorzeichen kommen Sie auch in den Himmel oder in die Ewigkeit. Wie wollen Sie ohne eine Wesensgleichheit mit Jesus da rein kommen?
Dieses Einssein mit dem Christus verlieren Sie aber nie. Auch nicht am Jüngsten Tag. Auch nicht durch Ihren Tod. Die neue Schöpfung kommt ruckelfrei von dieser Welt in die andere.
Und wenn der Christus am Ende der Weltgeschichte das Gericht über alles und jedes durchführen wird, wie kommen Sie dann auf die Idee, dass Sie sich dann von dem Christus trennen können und ihm sagen, nun soll er mal alleine machen, Sie halten sich da raus?
Königlich
Letztlich sagen diese Verse mit dem Gericht erstmal nur, dass Sie Königen gleich sein. Sie sitzen mit Jesus auf dem Thron (das wussten Sie schon aus Matthäus 19,28 und aus Offenbarung 3,21), Sie sind ein königliches Priestertum (1.Petrus 2,9) und besitzen die Waffenrüstung Gottes nicht zur Zierde.
Weil aber Paulus vom Rechtssystem des Altertums (und auch moderner Diktaturen) ausgeht, darum ist der König gleichzeitig auch der oberste Richter. Sie können schlicht nicht auf dem Thron sitzen, ohne Richter zu sein. Diese Berufe bedingen sich gegenseitig.
Und wenn am Ende der Christus die ganze Welt richten wird, sitzen Sie halt daneben. Sie können sich nicht raushalten. Sie können Ihren Thron nicht verlassen und mal eine rauchen gehen, bis das Gericht vorbei ist.
Königliche Herrschaft bringt Verantwortung mit sich. Nicht erst dermaleinst. Sie sind jetzt schon königlich.
Tut mir jetzt echt leid für Sie.
Aber trotzdem: Fangen Sie an zu herrschen.
Heute noch.