1.Korinther 7, 1+2 – wir verbieten das Heiraten
Doch, das war ein wahrhaft heiliger Gedanke: Wir verbieten das Heiraten, weil es unchristlich ist.
Vorsichtshalber fragt man nochmal Paulus, ob er nicht auch dafür ist.
Denn als er damals in Korinth war, hat er nichts Spezielles darüber gelehrt.
Wobei die Meinung des Paulus ja klar ist: Denn er selbst ist nicht verheiratet, und er wird schon wissen, warum.
Und Jesus war auch ledig.
Kein Glück, nirgendwo
Die Kritiker dieses Textes bemängeln, dass Paulus den Sinn der Ehe nur in der Verhinderung von Unzucht sieht.
Kein Wort über das Glück der Zweisamkeit, nichts über die Harmonie der Zusammengehörigkeit. Der Aspekt der Freude über Kinder und Enkelkinder bleibt unberührt.
Natürlich lebte Paulus in einer Welt, in der die gestiftete, also erzwungene Ehe die Regel war. Die Ehe, von der er spricht, hat mit einer heutigen Ehe sehr wenig gemein.
Aber trotzdem: Die Ehe ausschließlich als Bollwerk gegen die Unzucht?
Kontext, bitteschön
Ehe Sie jetzt über Paulus den Kopf schütteln, beachten Sie bitten den Zusammenhang, in dem er schreibt.
Er beantwortet eine Frage.
Die Frage war aber nicht eine Frage über das Glück.
„Glück“ oder „Harmonie“ interessierte hier niemanden.
Die Korinther wollten perfekte Heilige sein.
Sie wollten die besten Christen sein, die man überhaupt sein konnte.
Sie wollten es richtig machen. Absolut richtig. Sie wollten den Maximalpunkt an Heiligkeit erreichen.
Und da schien ihnen die Ehe nicht zielführend zu sein.
Und Paulus wird weiter hinten in diesem Kapitel ausführen, dass der Gedanke in gewisser Hinsicht nicht dumm ist.
Man ist freier, beweglicher und unabhängiger, wenn man nicht eine ganze Familie an der Backe hat.
Wobei diese Möglichkeit zur damaligen Zeit wohl vor allem Männern zur Verfügung stand, da es für Frauen schwierig war, selber Geld zu verdienen. Folglich erwähnt Paulus in Vers 1 auch nur die Seite der Männer.
(Die Seite der Frauen kommt ab Vers 3 zu Wort.)
Abwägung
Und obwohl Paulus im Vers 1 die Argumentation der Korinther eindeutig für richtig hält, ist er dennoch dagegen.
Denn Paulus wägt ab: Was ist schlimmer? Der Mangel an Freiheit und Beweglichkeit, oder die Sünde?
Und da Paulus den Kontakt zur Prostituierten für Sünde hält, und weil er der perfekten Askese der heiligen Korinther nicht glaubt, darum erklärt er die Ehe für den Normalfall.
Und will damit auch sagen: Die meisten Menschen werden den Gipfel der Heiligkeit mit und in der Ehe erreichen.
Gleiche Linie wie immer
Somit haben wir hier das gleiche Prinzip, das wir bei Paulus immer wieder finden:
Die Heiligkeit und die Heiligung können und sollen innerhalb der bestehenden Systeme stattfinden.
Die Revolution, die Jesus gebracht hat, revolutioniert eine andere Ebene als das gesellschaftliche Leben.
Gott und sein Reich sind stark genug, um trotz der Biologie und trotz der gesellschaftlichen Umstände zu gedeihen.
Oder: Gott und sein Reich sind so mächtig, dass sie die Biologie und die Gesellschaft als Mittel für ihre Entwicklung benutzen können.
Wenn Gott tatsächlich der Stärkste ist, dann gibt es für seinen Willen keine Hindernisse.
Heiraten Sie also, oder lassen Sie es bleiben. Für Sie wird das einen Unterschied machen. Für das Reich Gottes nicht.