1.Korinther 10, 1-24 – das Maß des Untergangs

Man kann schon gelegentlich Hirnsausen bekommen, wenn man den Paulus so liest.

Während er im Römerbrief ausdrücklich schreibt, dass nichts und niemand uns von der Liebe Gottes trennen kann, und auch in anderen Schriftstellen die Treue Gottes lobt und preist, beginnt er dieses Kapitel damit, dass er beschreibt, dass Christen genauso in Ungnade fallen können wie die Israeliten in der Wüste.

Während Paulus immer wieder betont, dass es für die Christen kein Gesetz mehr gibt, und während er im Kapitel 8 ausdrücklich darauf hinweist, dass es prinzipiell erstmal kein Problem ist, im Götzenopfertempel zu Tisch zu liegen, so erlässt er in der Mitte von Kapitel 10 nun das Gesetz, dass Christen unmöglich im Götzentempel an so einer Festmahlzeit teilnehmen können.

Aufgabe dieses Artikels ist es also, festzustellen, welches die Kriterien sind, die über den Untergang eines Christen entscheiden, und die gleichzeitig bestimmen, ob man zum Götzenopferfest oder sonst wohin gehen kann.

Erstes Beispiel: Begierig nach Bösem (Vers 6)

Dieses Beispiel nahm Paulus aus Numeri 11, wo die Sache mit den Tomaten und dem Knoblauch besprochen wird.

Wobei man selbstverständlich Tomaten, Zwiebeln und Knoblauch mögen darf. Es ging (in Gottes Augen) an dieser Stelle aber nicht um Gemüse, sondern darum, dass Gott die Leute aus der Sklaverei befreit hatte, und die Leute waren freiwillig mitgegangen dahin, wo ihnen die Freiheit versprochen wurde.

Das, was Gott ihnen versprochen hatte, das hatten sie jetzt. Einschließlich des Mannas.

Und jetzt stellten sie sich Gott gegenüber hin und sagen, dass sie das, was der Teufel (oder der Pharao) zu bieten hat, auch wollen.

Weißt Du, Gott, das mit der Freiheit vom Bösen ist ja ganz schön, aber die Goldbarren und die prachtvolle Villa und den Ruhm und den Sex, den der Teufel mir bietet, das will ich auch. Nur Manna ist ein bisschen wenig.

Gott bietet Ihnen die Freiheit, und Sie sagen Gott ins Gesicht, dass Ihnen sein Segen nicht reicht, sondern dass Sie den Segen des Teufels auch haben möchten.

Nichts gegen Goldbarren und Ruhm. Es geht hier nicht um das Prinzip der Askese. Es geht hier um die Frage der Beziehung. Gott schenkt Ihnen was, und Sie sagen ihm, dass Sie auch die Geschenke des Teufels brauchen, damit Sie glücklich sein können.

Versuchen Sie das mal bei Ihrem Lebenspartner. Der schenkt ihnen was, und Sie sagen dann, dass Sie die Geschenke Ihres Liebhabers / Ihrer Geliebten auch haben wollen, denn die glitzern viel schöner.

Zweites Beispiel: falsche Party (Vers 7)

Das Zitat von Vers 7 bezieht sich auf die Geschichte vom goldenen Kalb in Exodus 32.

Natürlich ist es nicht schlimm, wenn Sie Gott nicht verstehen. Gott hat nur wenig von sich offenbart, und Sie werden mit dem immensen rätselhaften Geheimnis leben müssen, das übrig bleibt. Wenn Sie Gott wählen, müssen Sie akzeptieren, dass das meiste an Gott mysteriös bleibt.

Wenn Sie dann aber hingehen und zu Gott sagen: „Pass mal auf, du bist mir zu kompliziert, ich reduziere dich jetzt mal auf ein mir verständliches Maß und verlange, dass du dich an meine begriffsstutzige Beschränktheit anpasst“ – dann ist das so eine anmaßende Beleidigung, dass man sich über die Konsequenzen nicht wundern muss.

Das Problem ist nicht, dass man Gott nicht versteht. Das Problem ist, dass man aus Gott einen Götzen macht, mit dem man umgehen kann und über den man verfügen kann. Es geht nicht um Ihre intellektuelle Fehlleistungen. Es geht um die Beziehungsfrage, dass Sie zu Gott sagen, Sie wollen ihn so nicht, wie er ist.

Versuchen Sie das mal bei Ihrem Lieblingsmenschen: „Entweder, du wirst jetzt so, wie ich mir das vorstelle, oder ich mache dich mit Nachdruck und Gewalt so, wie ich dich gerne hätte.“

Gott ist Gott, und Sie sind derjenige, der sich anzupassen hat.

Drittes Beispiel: falsche Freunde (Vers 8)

Es gibt bekanntlich kein christliches Gesetz, welches Ihre Bekanntschaften und Kontakte begrenzt. Wenn Jesus sich mit den Pharisäern traf und mit der Samariterin am Brunnen, dann brauchen Sie nicht kritisch auf Ihre Kontakte zu schauen.

Der Vers 8 bezieht sich auf das Götzenopferfest bei den Moabitern (Numeri 25,9 ). Klar, es gibt kein Gesetz, das die Beziehung zu den Moabitern verbietet.

Aber wollen Sie tatsächlich Gott ins Gesicht sagen: „Ich weiß, dass die Moabiter deine Feinde und die Feinde deines Reiches sind. Aber sie haben so schöne Feste, da gehen wir jetzt mal mit den Leuten feiern, die dich hassen.“

Nein, das ist keine Frage von Gesetzlichkeit. Das ist eine Frage von Beziehung. Wenn Sie Gott tatsächlich lieben, werden Sie dann Bruderschaft trinken mit denen, die Gott hassen?

Viertes Beispiel: sofort ein Zeichen wollen (Vers 9)

Sicher, das war schon anspruchsvoll, als nach 40 Jahren in der Wüste Aaron gestorben war und Mose nun, um Edom zu umgehen, wieder nach Süden zog, also Richtung Ägypten und damit in die entgegengesetzte Richtung des gelobten Landes. Wobei: Man war jetzt immerhin auf dem Weg ins gelobte Land und irrte nicht mehr in der Wüste umher. Aber man hätte doch auch von Süden hineingehen können, das wäre doch viel kürzer gewesen!

Es hat nichts mit Vertrauen zu tun, wenn man von Gott jetzt auf der Stelle ein Zeichen verlangt, dass das jetzt immer noch alles seine Richtigkeit habe. Und dann noch zu sagt, Ägypten wäre ja wohl besser gewesen als der aktuelle Zustand.

Zu Gott zu sagen, dass man seinem Wort nicht traue, und dass er jetzt zügig einen Beweis bringen müsse, dass er die Wahrheit sagt, ist ein ziemlicher Beziehungskiller.

Versuchen Sie es mal bei Ihrem Lebensabschnittsgefährten: Ich vertraue dir nur, wenn du mir einen unschlagbaren Beweis dafür bringst, dass du vertrauenswürdig bist.

Fünftes Beispiel: Gottes Auswahl bemängeln (Vers 10)

Natürlich gibt es kein Gesetz, welches bestimmt, wer Ältester oder Prediger in der Gemeinde sein soll. Paulus hat den Gemeinden extra gesagt, sie sollen jemanden wählen oder sonstwie bestimmen.

Aber wenn Gott, um sein Reich voranzubringen und die Menschen zu segnen, dann doch mal jemanden bestimmt, der einen besonderen Auftrag von ihm bekommt; und wenn es eigentlich keinen vernünftigen Zweifel an der Berufung dieser Person durch Gott geben kann; dann ist der Wunsch, diese Person absägen zu wollen, direkt gegen Gott gerichtet. Der Widerstand richtet sich dann nicht gegen ein Prinzip oder gegen eine Regel, sondern man erklärt Gott, was für ein Idiot er ist, so einen Menschen zu berufen.

Und dabei muss man ja bedenken, dass Gott solche Beauftragten im Normalfall aus Liebe zu seinem Volk beruft und nicht aus irgendeiner Willkür heraus. Im Grunde sagt man zu Gott: „Du liebst dein Volk überhaupt nicht, sonst hättest du nicht diese Nase berufen.“

Versuchen Sie das mal in Ihrer Familie. Kommt wahrscheinlich auch nicht gut.

(Im übrigens können Sie das Gleiche auch bei Jesus nachlesen: Lukas 10,16

16Wer euch hört, hört mich; und wer euch verwirft, verwirft mich; wer aber mich verwirft, verwirft den, der mich gesandt hat.)

Das Kriterium für den Untergang

Die fünf Beispiele aus dem Alten Testament machen alle deutlich, dass das beschriebene Unglück immer dann passiert ist, wenn die Gläubigen Gott als Person nicht ernst nahmen und ihn also nicht liebten.

Das ist übrigens das gleiche Problem, das Jesus mit den Pharisäern hatte. Sie liebten das Gesetz, aber nicht den, der es erfunden hatte.

Die Protagonisten des Wüstenzuges liebten den Segen, die Freiheit und die Möglichkeiten, aber mit dem Gott, der ja das eigentlich Wichtige war, konnten sie nicht viel anfangen.

Das Kriterium für den Untergang der Gläubigen ist also der Mangel an Beziehung zu Gott.

Man versteht Gott als Prinzip, als Servicemodul, als Grund hinter allem, aber man redet nicht mit ihm und hat keinen direkten Umgang mit ihm.

Die feierliche Anwendung des Kriteriums (ab Vers 14)

Anhand der Götzenopferfeier im Tempel macht Paulus jetzt klar, warum man da letztlich nicht hingehen kann.

Er beweist lang und breit, dass man, wenn man am Opfer für eine Gottheit teilnimmt, Teilhaber oder Teilnehmer an dieser Gottheit wird.

Man wird eins mit der Gottheit.

Das war ja auch der Sinn der Übung. Diejenigen, die zu solchen Feiern einluden, wollten damit ja einen Zugang zur jenseitigen Welt erlangen. Dummerweise war das einzige Jenseits, auf das sie so Zugriff erhielten, das des Teufels. Aber etwas anderes kannten sie nicht.

Wenn aber Christus in mir lebt, dann befinde ich mich in einer Einheit, die keine andere Einheit zulässt.

Sie können auch nicht gleichzeitig Mitglied der CDU und der SPD sein.

Ähnliche Ausschlusskriterien hatten wir schon bei Jesus: Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.

Oder anders gesagt: Wenn Sie Gott lieben, können sie nicht auch das absolute Gegenteil lieben.

Wenn Sie eine Einheit sind mit dem absolut Guten, können Sie sich nicht mit dem absolut Bösen verbrüdern.

Klar, solange wie das Gute und das Böse nur Kriterien oder Prinzipien sind, geht es. Es gab 2026 in Niedersachsen einen Staatsanwalt, der gleichzeitig dem Staat und der organisierten Kriminalität gedient hat und auch von beiden Geld genommen hat.

Aber wir reden hier von Personen. Gott als Person, die Dämonen als lebendige Wesen.

Schlusswort

Wenn Sie also im Glauben Schiffbruch erleiden wollen, dann geht es am sichersten, wenn Sie Gott nicht als ein Gegenüber wahrnehmen, das man lieben kann und soll.

Wenn Gott nicht mit Ihnen redet und Sie nicht mit Gott, dann sind Sie Zielgruppe vom Kapitel 10.