1.Korinther 12,2-3 – Teufelszeug

Bis zur letzten Jahrtausendwende wurde von den konservativen christlichen Gemeinden in Deutschland behauptet, dass die „Geistesgaben“ und insbesondere das Zungenreden vom Teufel sei. Man argumentierte zum Einen mit 1.Kor 13,10 und sagte, das Vollkommene in dieser Bibelstelle sei das Neue Testament, und dass mit der Vollständigkeit des Neuen Testamentes keine weitere Offenbarung Gottes mehr nötig gewesen sei, und darum haben die übernatürlichen Geistesgaben aufgehört.

Zum Anderen wusste man auch eine Reihe von Kirchenvätern auf seiner Seite, u.a. Augustinus, welche einfach nur festgestellt hatten, dass die Geistesgaben in ihren Gemeinden nicht mehr vorkommen, dass also weder in unverständlichen Sprachen gesprochen wird noch prophezeit wird und auch nicht geweissagt. Und diese Kirchenväter hatten sich natürlich Gedanken gemacht, warum das in ihrer Realität so sei, und auch sie kamen letztlich auf 1.Kor 13,10.

Und dann war da natürlich immer noch diese wunderbare Begründung: „Wir können es nicht, also kann es auch nicht wichtig sein.“ Denn wenn es wichtig wäre, wir es aber nicht könnten, sähen wir ganz schön blöd aus. Das verhindern wir, indem wir sagen, es ist nicht wichtig, oder noch besser: Es ist vom Teufel.

Damals

Die Gläubigen damals kamen, wie Paulus in 1.Kor 12,2 bemerkt, aus dem Heidentum. Da es sich bei all diesen Religionsformen nur um das Anbeten lebloser Figuren oder Ideen handelte, mussten diese Religionen sich etwas ausdenken, damit die Religion ein gewisses übernatürliches oder zumindest übermenschliches Gepräge bekam.

(Sie kennen das aus der katholischen Kirche. Damit die Gläubigen nicht merken, wie leer alles ist, gibt es Gerüche von Kerzen und Weihrauch, farbenfrohe Gewänder, ausdrucksstarke Kunst nicht nur in den Kirchenfenstern, prachtvolle Musik und Gesänge sowie offenbar bedeutsame Liturgien und Bewegungsabläufe. Die ganze Sache soll wichtig erscheinen, auch wenn sie nicht wichtig ist.)

Bei den Götzen-Gottesdiensten im römischen Reich konnte u.a. der Mensch aus sich heraustreten durch verschiedene Formen von Ekstase. Das fing mit der Tempelprostitution an und ging weiter über ekstatische Verhaltensweisen aller Art, die dem Zungenreden nicht unähnlich waren. Man kennt so etwas heute noch aus einigen indischen und afrikanischen Religionsformen.

Importfragen

Und nun kam dieses ekstatisch gekleidete Zungenreden auch in die Gemeinde.

Und viele in der Gemeinde empfanden das nicht als hilfreich. Ein Gottesdienst, der vor allem aus ekstatischem Geschrei besteht, ist für viele Christen sinnlos.

Und die Juden sagten: Sowas haben wir aber früher unter dem Gesetz nicht gehabt.

Und die Heiden sagten: Das ist ein ähnliches Theater wie damals im Götzentempel, das wollen wir nicht schon wieder haben!

Und so entstand die Frage, ob das Zungenreden nicht vom Teufel sei. Satanischen Ursprungs. Das Reich des Bösen im Reich Gottes.

Entscheidungskriterium

Und Paulus antwortet: Der Teufel kann sich tatsächlich verstellen als ein Engel des Lichts. Der Teufel kann z.B. schöne Dinge über Gott sagen. Gott alleine stört den Teufel nicht. Merkt man daran, dass der Teufel ja lange im Himmel gelebt hat.

Aber „Jesus ist Herr“ kann der Teufel nicht sagen. Er kann das auch nicht geheuchelt oder als Lüge sagen.

Warum kann der Teufel das nicht?

Paulus nennt keine Begründung. Aber erinnern Sie sich an Bileam? Der hatte genügend Mund und Stimmbänder und Geldgier, um Israel zu verfluchen. Aber er konnte es nicht, weil Gott es nicht erlaubt hat.

Und als Zacharias dem Engel nicht geglaubt hat, hat Gott ihm solange den Mund verboten, bis er den richtigen Namen für seinen Sohn schriftlich bekanntgegeben hatte.

Auch bei Hiob haben Sie das, dass der Teufel nur das machen kann, was Gott zulässt.

Und eine Menschenmenge, die Jesus von der Klippe stürzen will, kann es plötzlich nicht, und in der Offenbarung haben Sie die Geschichte, wo Gott die Gemeinde vor dem Drachen versteckt.

Mir ist nicht klar, ob bei dieser Argumentation des Paulus eine Rolle spielt, dass der Teufel ein Lügner durch und durch ist (Jh 8,44). Die Aussage „Jesus ist Herr“ wäre aber die Wahrheit. Diese Wahrheit müssen zwar die Dämonen und auch der Teufel anerkennen, aber ob sie das als Bekenntnis raushauen würden?

Der Fluch

Dass man mit Hilfe des Geistes Gottes den Jesus nicht verfluchen kann, sollte sich von selbst verstehen. Denn wenn alles richtig läuft, dann redet der geistbegabte Gläubige ja nicht, was ihm selbst in sein schlaues Hirn kommt.

Sondern er redet das, was der Geist Gottes ihm sagt. Bei Weissagung und Prophetie bewusst, beim Zungenreden eher unbewusst. Und der Geist Gottes wird nicht Jesus verfluchen. Wie gesagt: Versteht sich von selbst.

Resümee

Die Frage, ob Zungenreden oder irgendwelche anderen gottesdienstlichen Erscheinungen vom Teufel sind oder nicht, kann also relativ zuverlässig beantwortet werden.

Und wenn Sie schon sehr alt sind und den heftigen Streit um den Toronto-Segen noch mitbekommen haben – mit etwas Verständnis der Bibel hätte man das so einfach klären können.